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Ballaststoffe: alles Andere als Füllstoffe

Autor: Der Futtermann.

Erstmalig veröffentlicht wurde dieser Artikel in der Mein Herz bellt #21 - wenn du das Magazin noch nicht kennst, schau unbedingt mal rein! Anja macht einen tollen Job und freut sich über neue Leser und -innen.

SO, nun aber zum eigentlichen Artikel...

Schäferhund Rex macht einen extrem hellen Haufen, der kaum mit dem Sackerl aufzunehmen ist und eine gelblich-breiige Konsistenz hat?

Oder er hat extrem festen Kot, den er kaum absetzen kann, und du fragst dich, was ihm Abhilfe verschaffen könnte? In beiden Fällen haben wir es mit einem falschen Anteil an Ballaststoffen in der Nahrung des Vierbeiners zu tun. Warum das so ist und wie es genau zu diesen Symptomen kommt, erfährst du in diesem Artikel.

FAST FACTS: Ballaststoffe

  • Ein zu hoher Ballaststoffanteil kann Durchfall begünstigen
  • Der Rohfaseranteil im Futter sollte bei 2-4%, nicht aber bei 5% liegen
  • Diätfutter kann Heißhungerattacken auslösen
  • Äpfel können den Cholesterinspiegel senken

Die Bedeutung der Ballaststoffe

Ballaststoffe sind der Anteil der Nahrung, die bis vor einigen Jahren als „Ballast“, sprich wertloser und unverdaulicher Teil unserer Mahlzeiten (bzw. der des Hundes) angesehen wurden. Neuere Studien gehen davon aus, dass weit mehr hinter dem bislang als wertlos befundenen Material steckt. Der sogenannte Ballast erfüllt wichtige regulatorische Funktionen im Darm, trägt zur Entzündungshemmung im gesamten Organismus bei und dient als Nahrung für Darmbakterien, die deinem Hund helfen, viele Nährstoffe aufzunehmen, die sonst unverdaut wieder ausgeschieden würden. Du siehst also: Die Bedeutung der Ballaststoffe – auch diätetische Fasern oder Rohfaser genannt – ist immens.


ACHTUNG:

Auch in diesem Artikel sprechen wir immer über die Unterstützung der Vitalfunktionen von gesunden Hunden. Nimm meine Tipps nicht als Behandlungsempfehlung für kranke Hunde sondern lass dich am besten immer durch einen Tierarzt beraten.

Arten von Ballaststoffen:

Ballaststoffe sind eine spezielle Form von Kohlenhydraten, sogenannte Mehrfachzucker, die vorwiegend in pflanzlichen Nahrungsbestandteilen vorkommen. Eingeteilt werden sie in wasserlösliche (Pektine, Alginate) und wasserunlösliche (Zellulose, Hemizellulose) Mehrfachzucker. Der Körper des Hundes enthält keine Enzyme, die direkt aus diesen Mehrfachzuckern Energie gewinnen können – durch ihre hohe Quellfähigkeit können sie sich aber positiv auf die Verdauung auswirken.

Warum sind Ballaststoffe wichtig für die Verdauung?

Die beschleunigte Darmpassage durch die Quellstoffe verhindert negative Effekte durch zu starke Gärung des Futters im Dickdarm. Dadurch entstehen weniger Abbaustoffe, die durch die Leber entgiftet werden müssen.

Ein zu hoher Ballaststoffanteil kann Durchfall begünstigen!

Achtung: Eine zu rasche Darmpassage begünstigt jedoch breiigen Kot bis hin zu Durchfall. In den beiden Beispielen von oben war der helle, breiige Kot vermutlich durch einen zu hohen Ballaststoffanteil in Form von Getreide bedingt, der Verstopfung könnte durch einen zu hohen Mineralstoffanteil im Verhältnis zur Rohfaserfraktion hervorgerufen sein.

Was bedeutet Rohfaser?

Zur Ermittlung des Rohfaser-Anteils wird das Futtermittel in verdünnter Säure bzw. Lauge gekocht, wobei alle Inhaltsstoffe – bis auf die pflanzlichen Zellwandbestandteile – in Lösung gehen.
MERKE: Einer der Gründe, warum Futter mit hohem Getreideanteil Durchfall oder zumindest weichen Kot verursachen kann, ist, dass der Anteil an Rohfaser im Futter viel zu hoch ist. Dieser Anteil sollte auf die Trockenmasse des Futters bei 2-4 Prozent, nicht aber über 5 Prozent liegen. Hierbei vergessen die meisten Hundehalter, dass auch der Hauptbestandteil vieler Trockenfuttersorten (= Getreide) viele Ballaststoffe enthält.

Der Rohfaser-Anteil sollte bei 2-4 Prozent, nicht aber über 5 Prozent liegen

Holz im Futter

Holzfaser, sogenannte Lignozellulose, kommt gerne in sogenannten Diätfuttern zur Anwendung.
Ihre Aufgabe ist es hier sowohl den Verdauungstrakt zu stopfen als auch eine regulatorische Funktion auszuüben und dadurch in der Folge den Vierbeiner von seinem Übergewicht zu befreien. Allerdings hat Diätfutter oft den gegenteiligen Effekt: Dadurch, dass der Organismus die Ballaststoffe nicht verwerten kann und die meisten Futtermittel in dem Sektor nicht besonders reich an hochverdaulichem Protein (= Fleisch) sind, werden Heißhungerattacken ausgelöst.
Dies wird dadurch begünstigt, dass das Hungerhormon Ghrelin vor allem durch Proteine, nicht aber durch Fett und Kohlenhydrate verringert wird – und so der Hunger erhalten bleibt, obwohl der Bauch voll wäre.

Diätfutter kann Heißhungerattacken auslösen, weil die Ausschüttung des Hungerhormons Ghrelin nicht inhibiert wird

Was tun bei Verstopfung?

Ich bin kein Getreidefan – denn viel zu oft wird es als billige Proteinquelle in diversen Futtermitteln verwendet. Wenn dein Hund aber zu Verstopfung neigt, empfehle ich dir hin und wieder geschrotete Haferflocken dem Futter beizumengen. Achte aber unbedingt darauf, welchen Rohfaser-Anteil dein Futter bereits hat (siehe oben).
Haferflocken, Weizenkleie, Flohsamen und geriebene Äpfel tragen dazu bei, dass die Darmpassage „geschmeidig“ bleibt, ohne dass zu viele schwer verdauliche Kohlenhydrate im Napf landen.

Haferflocken, Weizenkleie, Flohsamen und geriebene Äpfel sind geeignete Ballaststoffe

Warum Weizen und Hafer?

In geringer Menge schaden deinem Hund diese Getreidesorten nicht – außer er hat eine spezifische Unverträglichkeit gegen eine der beiden. Wenn du nicht hauptsächlich auf Trockenfutter setzt, sondern primär roh oder hochwertiges Nassfutter verfütterst, dann ist durch ein paar Flocken keine Gefahr gegeben.

Was tun bei Durchfall?

Einsatz von Ballaststoffen zur Darmsanierung:

Hier eignen sich vor allem die oben bereits genannten Flohsamen. Sie quellen auf und saugen „Gifte“ aus dem Darm: Flohsamen sind somit eine Art natürlicher Ersatz für Kohletabletten.
Mehr zum Thema Durchfall beim Hund findest du in diesem Artikel.

Moro-Suppe als Ballaststoff-Lieferant:

Die Karottensuppe nach Moro ist ein ausgezeichnetes Mittel, um kurzfristig den Ballaststoff-Anteil zu erhöhen und die Darmflora ins Gleichgewicht zu bringen. Kombiniert mit Moortränke wirkt sie wahre Wunder bei akut aufgetretenem Durchfall. Ein gutes Rezept (bitte aber ohne Salz) findest du auf der Website des Norddeutschen Rundfunks.

Zusätzliche Funktionen von Ballaststoffen:

Senkung des Cholesterinspiegels

Hin und wieder einen rohen Apfel ins Futter zu raspeln hat nicht nur etwas Meditatives für den Tierhalter. Durch im Apfel enthaltene Pektine werden Gallsäuren im Darm gebunden. Diese müssen vom Körper wieder nachgebildet werden, da sie für die Fettverdauung notwendig sind. Dazu verbraucht die Leber Cholesterin, das wiederum den Grundstoff für die Gallsäuren darstellt. Gerade für Hunde die zur sogenannten Hypercholesterinämie neigen (also zu viel Cholesterin im Blut) sind Äpfel also eine wertvolle Beigabe im täglichen Futternapf.

Äpfel können den Cholesterinspiegel senken

Verbesserung der Eiweißaufnahme

Durch die Vergrößerung der Oberfläche wird auch die Eiweißaufnahme verbessert, da die Peptide auf mehr Fläche aufgeteilt werden und so die Transporter nicht an einer Stelle überfordert, an einer anderen komplett unterbesetzt sind

Bildung von kurzkettigen Fettsäuren

Ballaststoffe sind Futter für Darmbakterien: Anaerobe Darmbakterien wie Enterococcus faecium bilden aus Ballaststoffen sogenannte kurzkettige Fettsäuren, die Einfluss auf den Blutzuckerspiegel und diverse andere Stoffwechselwege haben. Außerdem sollen sie an vielen Stellen im Körper entzündungshemmend wirken.

Durch den Abbau von Ballaststoffen entstehende Fettsäuren wirken entzündungshemmend

Eine Studie aus dem Jahr 2013 stellt eindrucksvoll dar, was diese „short chain fatty acids“ alles bewirken können.


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